Kapitel 3 Grundlagen der Sprachsyntax
3.1 Konsolenanwendungen  
In den ersten beiden Kapiteln haben Sie das neue Konzept der .NET-Plattform kennen gelernt und einen ersten Einblick in die neue Entwicklungsumgebung des Visual Studios 2005 bekommen. Wenden wir uns nach dieser Einführung nun der Programmierung zu, die sich – losgelöst von allen Einflüssen, welche die Common Language Runtime (CLR) ausübt – grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen lässt:
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in die fundamentale Sprachsyntax |
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in die Objektorientierung |
Ein tief gehendes Verständnis beider Ansätze ist Voraussetzung, um eine auf der .NET-Plattform basierende Anwendung zu entwickeln. Haben Sie keine Programmierkenntnisse, auf die aufgebaut werden kann, ist das gleichzeitige Erlernen beider Teilbereiche schwierig und hindernisreich – ganz abgesehen von den Handhabungsproblemen der komplexen Entwicklungsumgebung. Wir werden uns daher in diesem Kapitel zunächst der Syntax von Visual Basic 2005 ohne Berücksichtigung der Objektorientierung zuwenden – zumindest weitestgehend, denn ohne den einen oder anderen flüchtigen Blick in die .NET-Framework-Klassenbibliothek werden wir nicht ganz auskommen.
Um den Einstieg möglichst einfach zu halten, insbesondere für diejenigen Leser, die sich zum ersten Mal mit der Programmierung beschäftigen, drehen wir das Rad der EDV-Geschichte zurück und werden unsere Programmbeispiele nur als Konsolenanwendungen schreiben. Konsolenanwendungen werden im DOS-Fenster, häufig auch als Eingabeaufforderung bezeichnet, ausgeführt. Sie sind einerseits überschaubarer als Anwendungen mit visualisierter Benutzeroberfläche, andererseits kann man sich mit der Entwicklungsumgebung schrittweise vertraut machen, ohne gleichzeitig in den vielen Dialogfenstern und dem automatisch generierten Code sofort den Überblick zu verlieren.
Das Ziel dieses Kapitels ist es, Ihnen die fundamentale Sprachsyntax von VB 2005 näher zu bringen. Erst danach soll der objektorientierte Ansatz in den Kapiteln 4 bis 7 eingehend erläutert werden. Haben Sie in der Vergangenheit bereits mit den Vorgängerversionen von VB 2005 gearbeitet, sollten Sie dennoch dieses Kapitel genau studieren. Trotz der offensichtlichen Ähnlichkeiten hat sich auch in den grundlegenden Bereichen viel geändert – z. B. die Variablendeklaration und die Datentypen, um nur zwei Punkte aus einer Reihe vieler weiterer zu erwähnen.
3.1.1 Der Projekttyp Konsolenanwendung  
Zunächst stehen für uns also nur Konsolenanwendungen im Mittelpunkt des Interesses. Um eine solche zu entwickeln, wählen Sie nach dem Start der Entwicklungsumgebung von Visual Studio 2005 das Menü Neu N Projekt. Daraufhin öffnet sich das in Abbildung 3.1 dargestellte Dialogfenster Neues Projekt.
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Abbildung 3.1 Das Dialogfenster »Neues Projekt«
Im linken Teilfenster werden – abhängig davon, welche Optionen Sie bei der Installation des Visual Studios gewählt haben – in einer hierarchischen Struktur Projekte für die verschiedenen Sprachversionen angeboten. Da sich dieses Buch mit Visual Basic 2005 beschäftigt, wählen Sie für die Codebeispiele natürlich diese. Im rechten Teilfenster werden die Vorlagen angezeigt, die der gewählte Projekttyp anbietet.
Nach der Wahl des Projekttyps und der Vorlage müssen Sie noch den Speicherort und den Projektnamen angeben. Der Speicherort ist ein beliebiger Ordner, in dem durchaus auch mehrere Projekte verwaltet werden können. Visual Basic schlägt beim ersten Start einen Standardordner vor, Sie können ihn jedoch über die Schaltfläche Durchsuchen... durch einen anderen ersetzen. Unter Name wird die Projektbezeichnung eingetragen.
3.1.2 Die Vorlage »Konsolenanwendung«  
Wenn Sie alle Einträge gemacht und die passende Auswahl getroffen haben, können Sie mit der Schaltfläche OK bestätigen. Danach wird ein Anwendungsrumpf entsprechend der gewählten Vorlage geöffnet und im Arbeitsbereich der IDE (Integrated Development Environment = Entwicklungsumgebung) ein Codefenster angezeigt, der Texteditor.
Ein Projekt vom Typ Konsolenanwendung hat nach dem Start sofort eine Quellcodedatei namens Module1.vb. Die Endung der Quellcodedateien ist grundsätzlich immer .vb.
Innerhalb dieser Quellcodedatei ist ein Modul vordefiniert. Das erste Modul einer Konsolenanwendung trägt standardmäßig den Namen Module1, der aber noch verändert werden darf. Innerhalb dieses Moduls wird die Programmlogik des Moduls innerhalb von Prozeduren codiert. Die wichtigste Prozedur einer Konsolenanwendung ist ebenfalls bereits vordefiniert: die Main-Prozedur. Wird eine Konsolenanwendung gestartet, ist diese Prozedur immer der Einstiegspunkt in die Laufzeit, d. h., sie wird also als Erstes ausgeführt.
| Module Module1
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| Sub Main()
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| End Sub
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| End Module
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Zwischen der einleitenden Prozedurdefinition – man spricht hierbei auch von einer Prozedursignatur, im obigen Beispiel Sub Main() – und dem Ende einer Prozedur mit End Sub befinden sich die Anweisungen, welche die Funktionalität der Prozedur beschreiben. Ein Modul darf nicht nur eine Prozedur enthalten – es können x-beliebig viele hinzugefügt werden, deren Signatur innerhalb des Moduls allerdings eindeutig sein muss. Sie dürfen demnach in einem Modul auch keine zweite Main-Prozedur definieren, das würde zu einem Konflikt führen.
In einer Quellcodedatei dürfen mehrere Module definiert werden, selbstverständlich namentlich eindeutig, ebenso können dem Projekt weitere Quellcodedateien hinzugefügt werden, die jeweils immer mit .vb enden.
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